Was bisher geschah

23.09.22

Reinhard Piechocki: Ein Garten Eden inmitten der Hölle

Seit vielen Jahren befasst sich Reinhard Piechocki, Autor zahlreicher Aufsätze und musikhistorischer Werke, mit der Rolle der Musik in extremen Lebenssituationen. Bei seinen Recherchen stieß er auf die 1903 geborene Pianistin Alice Herz-Sommer, die nach der Deportation ihrer Mutter in Prag 1941 alle 24 Chopin-Etüden einstudierte und später im KZ Theresienstadt auch vortrug. Reinhard lernte die fast hundertjährige Alice in London kennen. In der Villa Weingärtner erzählte er wie immer hautnah und humorvoll von seinen Begegnungen mit der großen Künstlerin. Am Klavier legte er dar, was die Etuden von Chopin so ergreifend, aber auch technisch herausfordernd macht.

Der legendäre Chopin-Interpret Arthur Rubinstein – oft bezeichnet als der größte Pianist des 20. Jahrhunderts –  hatte vor den extrem schwierigen Chopin-Etüden „immer Angst“ und wagte nie, sie alle 24 vorzutragen oder vollständig aufzunehmen. Für die jüdische Pianistin Alice Herz-Sommer wurden sie zum Rettungsanker: Völlig verzweifelt über den Abtransport ihrer  Mutter irrte sie 1941 durch Prag, als sie plötzlich die Eingebung hatte: „Übe die 24 Etüden- das wird dich retten!“. Zwei Jahre währte die Zeit exzessivsten Übens,  ehe auch sie mit ihrem Mann und ihrem sechsjährigen Sohn in das KZ Theresienstadt eingeliefert wurde. Dort gab sie vor zweihundert Häftlingen ein Konzert: die 24 Etüden von Frederik Chopin.

Das Buch erschien in Alices 103tem Lebensjahr. Zu der Zeit spielte sie noch täglich Klavier. Es wurde in viele Sprachen übersetzt und machte die betagte Künstlerin zu einer Berühmtheit. Mehrere Dokumentarfilme sind über sie entstanden, kürzlich brachten die Hamburger Kammerspiele ihre Geschichte auf die Bühne. Aus Originalaufnahmen der Künstlerin aus den 60er und 80er Jahren ließ Piechocki zwei CDs fertigen, die unter reinhard.piechocki@t-online.de ebenso bestellt werden können wie das bei Droemer erschienene Buch „Ein Garten Eden inmitten der Hölle“.

17.08.22

Trio Poesie entführt uns ins Prag der 1920er Jahre

So groß war das Interesse an diesem literarisch-musikalischen Spaziergang durch die versunkene Welt osteuropäischer Caféhäuser, dass der Villa Weingärtner beinah die Stühle ausgegangen wären. Aber am Ende wurde auch für spontan an der Abendkasse sich einfindende Gäste noch ein Plätzchen gefunden. Angelehnt an das Buch von Hartmut Binder: „Gestern Abend im Café. Kafkas versunkene Welt der Prager Kaffeehäuser und Nachtlokale“ hatten Thomas Wunder (Sänger und Liedermacher) und die beiden Gitarristen Stefan Henn und Heribert Blume ein unterhaltsames Potpourri vorbereitet. Die drei sind als Trio Poesie viel im Westerwald und am Mittelrhein unterwegs, haben aber auch an der Ostsee ihre Fans. Die Veranstaltung fand in Kooperation mit den Westerwälder Literaturtagen statt.