25.01.26
Tango Argentino – populär und klassisch
Eine musikalische Zeitreise mit Mirta Alvarez und Arthur Bedouelle
Nach einer turbulenten Woche auf Tournee mit seinen Osloer Philharmonikern zwischen Hamburg, Wien und Essen gelang Arthur Bedouelle die Punktlandung in Unkel. Eigentlich ist er Bratschist und Festspielleiter eines Kammermusikfestivals in der Champagne. Doch vergangenes Jahr spürte der junge Musiker seinen argentinischen Wurzeln nach und traf in Buenos Aires die Gitarristin Mirta Alvarez. Gemeinsam planten sie eine Frankreich-Tournee und ließen sich – auf einer alten Freundschaft zu den Bedouelles gründend – zu einem Abstecher nach Unkel überreden.
Der Tango scheint in der Region viele Freunde zu haben, denn der Saal war bis zum letzten Platz gefüllt, die Warteliste lang. Die beiden Musiker, die zuvor noch nie in der Villa Weingärtner gewesen waren, schwärmten hinterher über die hervorragende Akustik und das hoch konzentrierte Publikum.
An diesem Abend stimmte einfach alles: Kaffeehausatmosphäre bei Kerzenlicht, Wein und Tapas – und dazu der Tango in all seiner Vielfalt, dargeboten von einem perfekt aufeinander eingestimmten Duo. Der Abend endete mit Jubel im Saal.
22.01.26
Sendeauftrag oder Cancel Culture?
Europäischer Salon zur Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks
Korruptionsskandale, Recherchepannen, Kampagnenjournalismus – sogar die Generation Deutschlandfunk fragt sich inzwischen, ob man für teilweise miserable Inhalte noch Gebühren zahlen möchte. Andererseits beneiden uns viele Nachbarländer um ein System, das die Meinungsvielfalt stützt und den Echokkammern der Sozialen Medien etwas entgegensetzt. Im Gespräch mit Theo Geers, langjähriger Korrespondent für den Deutschlandfunk in Brüssel und Berlin, verhandelte Andrea Esser, die zur Zeit am King’s College in London über das Medienverhalten junger Europäer forscht, Versäumnisse der Vergangenheit und mögliche Reformen für die Zukunft.
Im Focus stand dabei die Frage, wie jüngere Zuschauer und Zuhörer zurückgewonnen werden können und wie der finanzielle Spielraum für gute Programme durch intelligente Strukturreformen erweitert werden kann. Zwar werden Jugendliche bei Recherchen via ChatGPT häufig auf Informationen aus öffentlich-rechtlichen Medien verwiesen, doch mit den Quellen selbst können sie nichts mehr anfangen. Esser verwies auf neue Sendeformate, die z.B. über tiktok verbreitet werden. An der grundsätzlichen Überalterung der Zuhörerschaft ändert das aber wenig. Die gute Nachricht: Wer älter wird, wendet sich wieder mehr den Öffentlich-Rechtlichen zu. Die schlechte: Eine große Mehrheit der Programmgestalter ordnet sich selbst dem links-grünen Spektrum zu und produziert damit an den Überzeugungen und Interessen vieler Rezipienten vorbei. Das stärkt Politik- und Medienverdrossenheit und befeuert die Medienkritik der AfD an den „Systemmedien“.
Esser und Gehrs waren sich einig: Die Entscheidung des NDR, Julia Ruhs nach nur drei Pilotausgaben des neuen konservativen Magazins „Klar“ abzusetzen, war kurzsichtig und dazu angetan, Vorurteile gegen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu verstärken. Skandale wie um die abgesetzte RBB-Intendantin Patricia Schlesinger tun ein Übriges. Konsequente Reformen, zum Beispiel die Zusammenlegung der Klassikprogramme, könnten finanzielle Spielräume für gut recherchierte Beiträge anstelle von überlangen Billiginterviews schaffen. Doch noch immer ist der Beharrungswille in den zuständigen Gremien stärker als die Reformbereitschaft.
































